Archiv 2019

08.11.2019

„Rose liest Rose“

„Und ist es auch nichts Großes,
so ist es doch von mir!...“

Mit diesen Worten, die ich meinem Gedichtband voranstellte, schloss Gabriele Rose ihre Lesung mit Gedichten ihres Mannes, die in 55 Jahren entstanden waren.
In dem intimen Rahmen vertrauter Gesichter aus manchen vorausgegangenen Lesungen brachte G. Rose themengebunden und nicht immer chronologisch manches Gedicht zu Gehör, die ich in meinem Gedichtauswahlband weggelassen hatte, und ebenso manches, das mir beim Wiederhören immer noch besondere Freude bereitete. Aber ich hatte es mir ja so von ihr gewünscht.
Neben tiefempfundenen, nachdenklichen Versen hatte Rose ebenso humorvolle, verspielte und Nonsens-Gedichte von mir ausgesucht, um einen möglichst umfassenden Eindruck der ganz unterschiedlichen Themen und Formen eines langjährigen Schaffens zu gestalten.
Mit dieser Lesung hatte sie mir einen langgehegten Wunsch erfüllt, auch aus Anlass der letzten, diesjährigen Veranstaltung in der Rudolf-von-Bennigsen-Bibliothek, im 15. Jahr der Reihe „Literatur im Bahnhof“.
Gabriele Rose beeindruckte wieder mit ihrem lebendigen und einfühlsamen Vortrag die Besucher, die ihr mit herzlichem Beifall dankten.
Abschließend informierte ich unsere Gäste über die Veranstaltungen des nächsten Jahres 2020, die am 21. Februar mit einem Vortrag von Michael Beubler über Leben und Werk Franz Kafkas beginnen werden.
[Text: Karlfried Rose]

13.09.2019

„Und täglich grüßt die Spülmaschine“

ist auch der Titel einer der Kurzgeschichten, die Dagmar Wieland von der Gruppe „Wortart – Springer Literaten & Co.“ in der Rudolf-von-Bennigsen-Bibliothek“ zu Gehör brachte.
Freitag, der 13., ist für manche Menschen ein unglücksdrohender Tag, an dem man am besten zu Hause bleibt. Diejenigen jedoch, die sich nicht davon beeindrucken ließen, durften sich über mit rheinischem Humor gewürzte Geschichten freuen, die zwar über ganz alltägliche und allseits bekannte Dinge berichteten, jedoch sehr genau beobachtet waren und mit bewundernswerter Freude an Sprache und Wortwitz, manchmal ironisierend, aber immer liebevoll beschrieben waren und lebendig und mitreißend von Dagmar Wieland vorgetragen wurden.
Sei es die häusliche Spülmaschine, die sich wie von Zauberhand füllt und wieder leert, sei es der ach so schöne, aber leider auch entsetzlich schwere Wasserkocher, sei es die liebevolle und lebenslange Freundin, die sich am Ende als die Brille der Autorin entpuppt, so gab es viele erzählte Details aus dem häuslichen und ehelichen Umfeld, die ein amüsiertes Lächeln in die Gesichter der Zuhörerinnen und Zuhörer zauberten oder sie auch zu impulsivem Lachen oder Klatschen und den einen oder anderen Kommentar verführten. In der Pause und auch nach Ende der Lesung suchten etliche der Anwesenden das Gespräch mit Frau Wieland, die hocherfreut über das positive Echo und die mehr als freundliche Aufnahme war, die ihr Debüt in der RvB-Bibliothek begleitete. Viele der Anwesenden äußerten zudem unüberhörbar den Wunsch, Dagmar Wieland auch im nächsten Jahr wiedersehen bzw. wiederhören zu können.

Hartmut Rieck dankte Frau Wieland für diesen kurzweiligen und frohen Abend im Namen des Fördervereins Rudolf-von-Bennigsen und aller Gäste mit einem edlen Rotwein aus dem Südwesten Frankreichs, einem 2015er Château du Cèdre Cahors, einem Wein, den auch schon die Päpste während ihres Avignon-Exils zu schätzen wussten.

Bevor Karlfried Rose die Zuhörer verabschiedete, wies er noch auf die 5. und letzte Lesung dieses Jahres am Freitag, den 8. November, hin, in der Gabriele Rose eine Auswahl der in mehr als 50 Jahren entstandenen Gedichten ihres Mannes vorträgt: „Rose liest Rose“.

[Text: Karlfried Rose; Fotos: Gabriele Rose]

24.08.2019

Hauptsache draußen

VON PATRICIA SZABO

Unter freiem Himmel und mit einem Getränk in der Hand wird in Bennigsen [...] gepicknickt

Ganz in Weiß unter blauem Himmel essen die Bennigser [...] gemeinsam FOTO[...]: SZABO NDZ 27.08.2019

BENNIGSEN […]. Zur dritten Auflage stimmte erstmals auch das Wetter: Zu einem stillvollen Picknick einer ganz besonderen Art unter dem Motto „Bennigsen is(s)t“ lud jetzt der Rudolf-von-Bennigsen-Förderverein ein.

22 Teilnehmer, vorwiegend Vereinsmitglieder und Gäste aus den Lesungen, die der Förderverein ebenfalls organisiert, folgten – ganz in Weiß gekleidet – der Einladung und speisten an einer weiß eingedeckten Tafel: „Jeder bringt etwas mit, aber man kann auch beim Sitznachbarn naschen“, sagte der Vize-Vorsitzende Karl-Friedrich Rose. Brot, Obst, kleine Häppchen, Weine und Prosecco – eben alles, was nötig ist, um ein richtig leckeres Picknick zu veranstalten, zierten den großen Tisch.  

Foto: Gabriele Rose

Dieses fand bereits zum dritten Mal statt und noch nie hatte die illustre Gesellschaft so viel Glück mit dem Wetter wie an diesem Tag: Zu verregnet vor zwei Jahren, zu heiß im vergangenen, erinnerte sich Rose.

Foto: Gabriele Rose

Mit Sonnenschein und lauem Lüftchen gestaltete sich hingegen die diesjährige Veranstaltung angenehm. „Diner en blanc“, wie es in Frankreich genannt wird, geht ursprünglich auf die Idee von Fördervereinsmitglied Margrit Wittkugel zurück, erinnerte sich Rose. Gegessen wurde auf der Rasenfläche gegenüber dem Bahnhof in Bennigsen. […]

[Neue Deister-Zeitung 27.08.2019 S. 9]

12.07.2019

Debut in der RvB-Bibliothek mit Walter Kempowski 

Michael Beubler stellte in seinem mitreißenden ersten Vortrag in der RvB-Bibliothek den Schriftsteller, Pädagogen und Archivar Walter Kempowski vor.

Trotz des ständigen Regens kamen die Besucher und füllten die Bibliothek schnell. Einige wenige kannten Walter Kempowski, andere wollten ihn kennenlernen und waren entsprechend gespannt auf das, was ihnen geboten werden sollte. Neben dem „Stamm-Publikum“ kamen auch unbekannte Gäste, einige z.B. aus Völksen, wo Michael Beubler vor Jahren Pastor gewesen war.

Seinen Vortrag strukturierte er in vier Teile: Stationen aus Kempowskis Leben und Familiengeschichte mit Zitaten aus seinen Werken – Pause – Lesung einer Textpassage aus „Heile Welt“ von 1998 – Auszug aus einer Audioaufnahme eines Interviews mit Walter Kempowski.

Im Mittelpunkt stand der Werdegang Kempowskis von den Anfängen der Familie, über die Kriegsjahre 1939 bis 1945 bis zu seiner Haftzeit in Bautzen wie auch der seiner Mutter und seines Bruders. Diese Jahre prägten Kempowski und ließen den genau beobachtenden und nachspürenden Zeitzeugen, der bereits als Knabe den Wunsch formuliert hatte, Archiv werden zu wollen, zu dem Archivar werden, der seine Zeit und seine Geschichte wie auch die vieler fremder Menschen in seinem Werk für die Nachwelt bewahrte.

Nach 1980 begann Kempowski, biografische Materialien von einfachen Menschen zu sammeln, indem er Anzeigen in der Wochenzeitung „Die Zeit“ schaltete. Er erhielt Tagebücher, Briefwechsel, Lebensaufzeichnungen und Fotografien von Menschen aus unterschiedlichen Kreisen und Zeiten. Diese Materialien verwendete er in seinem Hauptwerk „Das Echolot“. Sie umfassten schließlich hunderttausende Fotos und Millionen Blatt Papier.

Bereits als Grundschullehrer entwickelte und erprobte Kempowski ab 1960 erfolgreich Methoden des Lesen- und Schreibenlernens, tägliche Erlebnisberichte der Schüler machte er zu Unterrichtsinhalten. Sein Leben als Dorfschullehrer beschreibt er in seinem 1998 erschienenen Band „Heile Welt“. Beubler zitierte aus diesem Roman eine längere Passage kongenial, er vermittelte Kempowskis genaue aber auch leichte Sprache, die den Zuhörer „einfing“ und ihn mitnahm in die von Kempowski beschworenen Bilder.

Diesem Sog hätten viele Besucher gerne noch weitere nachgeben mögen, aber irgendwann endete auch dieser ungemein lebendige und inspirierende Vortrag über einen Großen unserer Zeit.

Michael Beubler nahm man die Freude an der Beschäftigung mit Kempowski ab… und auch die Liebe zu einem anderen Großen unserer Zeit – Franz Kafka. Voller Vorfreude stellte er einen Vortrag über Franz Kafka in 2020 in den Raum…

[Text + Fotos: Gabriele Rose]

10.05.2019

„Der Mai ist gekommen“

[Neue Deister-Zeitung 18.05.2019 Seite 12]

[Fotos: Elvira Rieck]

15.02.2015

„Literatur im Bahnhof“
in der Bennigser Rudolf-von-Bennigsen-Bibliothek

Die meisten der rund 35 Zuhörer*innen (um bei der offiziellen Hannoverschen Schreibweise zu bleiben) waren in den Bennigser Bahnhof zur Literaturlesung über Leben und Werk Wolfgang Borcherts gekommen, weil sie noch eigene Erinnerungen an die Zeit haben, in der Borcherts Geschichten spielen, und/oder dies ein Schriftsteller ist, dessen Werke sie in der eigenen Schulzeit kennengelernt hatten. Wie eine der Zuhörerinnen dem Vortragenden, Karlfried Rose von der Gruppe „Wortart – Springer Literaten & Co.“, in der Pause berichtete, endete der Geschichtsunterricht zu ihrer Zeit und in ihrer Klasse mit der Weimarer Republik. Die Gräuel des 2. Weltkrieges und der Nachkriegsjahre wurden ihr lediglich im Deutschunterricht durch die Werke Wolfgang Borcherts nahegebracht. Und sie wird nicht die einzige gewesen sein, der es in den 50er und Anfang der 60er Jahren so erging.
Es war keine einfache Kost, die Rose seinen Zuhörenden zumutete. Das Schicksal Borcherts, der gerade einmal 26 ½ Jahre alt wurde, sein Schauspiel „Draußen vor der Tür“ sowie seine Kurzgeschichten, die von 1945 bis 1947 entstanden, machen betroffen und nachdenklich und sind bar jeder Komik. Rose verband den Lebensweg Wolfgang Borcherts mit den Werken, die in jenen Jahren entstanden waren bzw. über diese Jahre berichten. Ihm gelang es, durch seine ruhige, aber dennoch zupackende Sprache und den fundiert erarbeiteten Vortrag die Anwesenden zu fesseln und durfte sich in der Pause und nach Ende des Vortrags über einen freigiebigen Applaus, aber auch über viele Gespräche und manches aufrichtige Lob freuen.
Auch nach der Lesung blieben noch etliche Gäste bei einem Glase Wein zusammen, um sich über das Gehörte und das Programm des Fördervereins Rudolf-von-Bennigsen für 2019 auszutauschen, das insgesamt fünf literarische Veranstaltungen – über das Jahr verteilt – und Ende August zum 3. Mal einen „White Lunch“ unter dem Motto „Bennigsen is(s)t zusammen!“ vorsieht.
[Foto + Text: Gabriele Rose]

 

 

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